Alltäglicher Hirnfick

Manchmal gehe ich mir mit meinem unterbewussten ökologisch nachhaltigen anti-kapitalistischen sparsamen Lebensstil selber auf die Nerven.
Da saß ich jetzt hier eine halbe Stunde lang vor einem eBay-Angebot und diskutierte mit mir selber…

  • Hast du das Geld wirklich übrig – oder willst du es nicht doch besser sparen?
  • Wenn ein Notfall passiert – Tierarzt z.B.. Du hast keine Ersparnisse mehr!
  • In drei Wochen ist übrigens die jährliche Rechnung für die Haftpflicht-Versicherung fällig, die du nicht kündigen kannst. Du lebst mit einem Hund, für den eine Versicherung vorgeschrieben ist!
  • Brauchst du das wirklich, oder bist du gerade in Kauflaune?
  • Du hast in diesem Jahr schon einen Pullover im Internet gekauft, das sollte an neuen Klamotten eigentlich genug sein.
  • Das Angebot ist so billig, wahrscheinlich Kinderarbeit in China, Taiwan oder sonstwo. Was sagt denn dein Gewissen dazu?
  • Und überhaupt: sollte man so einen Konzern wie eBay wirklich unterstützen, indem man dort noch etwas kauft?
  • Und dann sagte diese leicht alkoholisierte teuflisch böse Stimme in meinem Kopf: „Man Miller!! Das ist nur ein verfickter 10-er Pack Unterhosen für 17,95! Das ist kein Luxus, das kannst du gebrauchen. Schau mal in den Schrank!
    Mach dich nicht so beschissen klein! Deine Nachbarn fliegen mit Bio-Diesel drei mal im Jahr in den Urlaub und fühlen sich Öko. Jetzt kurz vor Weihnachten spenden sie generös Altkleider an eine Shredder-Firma und helfen damit Flüchtlingen. Und auf dem Weihnachtsmarkt kaufen sie nur Wachskerzen von Bienen aus Bodenhaltung und handgeschnitzte Deko von fair entlohnten Kleinkindern.

    Ich wäre gerne dumm. Und unselbständig. Und verantwortungslos in jeglicher Beziehung. Das wäre so einfach und erleichternd.


    3 Antworten auf „Alltäglicher Hirnfick“


    1. 1 Miller 08. Dezember 2015 um 1:40 Uhr

      Ich will einfach diese Gedanken nicht mehr haben; dieses Gefühl, mich entschuldigen oder rechtfertigen zu müssen.
      Ich bin noch nicht am Boden dieser Gesellschaft angekommen, da fehlt noch ein kleines Stückchen. Für ein Leben auf der Strasse bin ich immer noch zu “privilegiert”. Aber dennoch oder gerade deswegen…
      Irgendwie kann ich diesen Satz heute Nacht nicht mehr beenden. Das ist zu kompliziert oder zu einfach.

    2. 2 Manati des Todes 25. April 2016 um 19:49 Uhr

      Die unfertige Antwort: Ich bin nicht reich genug für meinen Lebensstil. Hähä.
      Der Hirnfick wird auch nicht aufhören, weil: s.o.
      Einen Gruß an dich!

    3. 3 Miller 25. April 2016 um 23:54 Uhr

      Dank für den Gruß tödliche Manati!

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