Vorurteile

Vor ein paar Wochen dachte ich noch, der wäre hier zu Besuch, aber anscheinend ist er ein neuer Nachbar hier in unserer kleinen Straße, drei Häuser weiter.
Ein schlanker weißer Mittelschicht-Sohn zwischen 20 und 30, blonde Dreadlocks bis zum Arsch, hält eine große Dogge.

Ist mir eigentlich egal wie er aussieht und Hunde mag ich sowieso; besonders große.
Aber dicke Freunde werden wir wohl nicht werden. Der hat mich schon bei unserer ersten Begegnung in der Straße irgendwie misstrauisch, abschätzig, ablehnend angesehen. Ich hab‘ nämlich ’ne Glatze (freiwillig) und trage im Sommer gerne Army-Hosen; wenn’s kälter ist auch gerne schwarze Boots.

Seine Dogge läßt er gerne mal ohne Leine laufen; finde ich gut, würde ich gerne auch öfter mit meinem alten Hund machen. Aber wir leben leider in einer Großstadt mit vielen Autos und vielen anderen Hunden – man sollte seine Grenzen (und seinen Hund) kennen.
Die Dogge ist letztens einen alten, halb blinden Labrador meiner Nachbarn angegangen. Es ist nichts Schlimmes passiert, aber der neue Nachbar war scheinbar (wie man mir erzählte) nicht besonders nett, einsichtig, kooperativ oder so ähnlich.

Ja – ich weiß. Ich habe gewisse Vorurteile gegenüber unserem neuen Nachbarn. Ich weiß..
Aber ich bin mir sicher, daß er zumindest mir gegenüber noch größere Vorurteile hat. Mir, der Glatze mit mit den Army-Klamotten, der seinen großen schwarzen Mischlings-Hund an einer Leine hält.
Warum ich das weiß? Ich bin geschätzt doppelt so alt wie er, und in seinem Alter hatte ich auch recht klare Feindbilder. Die haben sich allerdings im Laufe der Zeit aufgeweicht.


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