Archiv für März 2018

Final Feierabend

Die nächsten drei Tage muss ich noch arbeiten, dann ist Schluss. Samstag Abend ist zum letzten mal Feierabend für mich in dieser Küche. Der Inhaber wechselt, im April ist der Laden vorübergehend zu; was danach passiert steht in den Sternen.

Meine schriftliche Kündigung habe ich schon vor Wochen unterschrieben. Daß ich ab nächster Woche nicht mehr dort arbeiten muss oder kann, kommt erst seit gestern so richtig in meinem Bewusstsein an.

Das war jetzt mein achter Job in der Gastronomie in rund 25 Jahren. Ich habe dort in Teilzeit fast drei Jahre gearbeitet, und wenn ich ein Resümee ziehen müsste, würde ich sagen: “Es war nicht alles Scheisse.”

Na denn mal Osterferien!! :-)

Bei meiner letzten Schicht am Samstag werde ich rituell mein altes (dort deponiertes) Kochmesser in meine Küchenschürze wickeln und in meinen Rucksack stecken. Ich werde eine Dose Hansa Pils hervorholen und mit mir selber auf meine Arbeitslosigkeit anstoßen.

Fuck this shit! Das Leben geht weiter.

Hab’ ich dich erschreckt? Das tut mir echt leid!

Ist meine Schuld! Ich komme hier mit ’nem Fahrrad vorbeigefahren, während du auf dein Smartphone starrend einfach die Straße überquerst.

Tut mir leid, daß mein Rad kein Motorengeräusch hat, denn dann hättest du wohl wenigstens mal kurz auf den Straßenverkehr geachtet, bevor du quasi blind die Straße kreuzt.

Ich weiß, daß jede neue Nachricht, jeder Hinweis auf deinem Gerät mit einem Klingelton angekündigt wird. Das Geräusch meiner Vollbremsung war scheinbar so ähnlich. Jedenfalls hast du mich so angeschaut, als hättest du gerade eine total wichtige Message erhalten.

Lass dich nicht ablenken! Konzentriere dich auf deine Apps! Du bist wichtig! Die anderen Leute auf der Straße, die nicht ‘mit dir befreundet’ sind, werden schon Rücksicht auf dich nehmen.
Muss man ja auch verstehen: Facebook, Google, WhatsApp, Flickr, Tinder usw… brauchen dich und deine ‘Likes’! Jetzt! Sofort!

Und nebenbei wirst du mit deinen Accounts im Internet unsterblich sein! Jeder deiner Accounts wird nach deinem realen Ableben in einen “Trauer-Modus” versetzt und alle deine virtuellen Freunde können das dann respekvoll ‘disliken’.
Was zählt es dann schon, wenn du von einem Bus überfahren wirst? Dann bist du eben rote Matsche unter einem Linienbus mit Elektromotor.

aktuelle Weltpolitik

Dinge, die ich eher selten tue:

Mittwoch nachts um 00:30 Uhr an der Straßenecke unter einer Laterne hocken und das Winterfell aus dem Hund bürsten; dabei Nachbarn unbeabsichtigt beim Ficken zuhören.

Das mit dem Hund musste mal wieder sein, der Soundtrack der Nachbarn war Zufall.
Offenbar hatten alle ihren Spaß. Der Hund fühlt sich jetzt angenehm gebürstet und meine unbekannte Nachbarin scheinbar auch.

Deutsche Bürokratie

Da schickt mir die Arbeitsagentur heute nebst anderem Papier ein „Merkblatt für Arbeitslose“: DIN-A6 länglich, 97 Seiten plus Stichwort-Verzeichnis.
97 zusammengeheftete Seiten passen nicht zu meiner Definition von einem Merkblatt.